Panerai ist schon lange nicht mehr irgendeine Uhrenmarke. Sie hat seit vielen Jahren echtes Kultpotential und spielt im Konzern eine besondere Rolle. Entsprechendes Augenmerk gilt der Marke daher auch im Rahmen der SIHH in Genf.
Schon Monate vor der Messe kursieren Gerüchte: Es wird gemutmaßt, es wird spekuliert. Welche Uhren werden vorgestellt? Welche Special Editions darf man erwarten? Welche Uhren fliegen aus dem Programm? Diskussionen dieser Art kennt man im Uhrensektor höchstens noch bei Rolex, wenn auch in gemäßigter Form.
Und noch während des ersten Messetages – und das ist in jedem Jahr das gleiche Phänomen – werden Konzessionäre und Panerai-Boutiquen mit Anfragen und Vorbestellungen geradezu bombardiert. Eine logische Erklärung dafür gibt es nicht – es ist ein Mischung aus Lust, Spaß und Vorfreude. Und eine schlechte Investition ist eine Panerai ohnehin nie gewesen.
Auch die SIHH 2012 soll keine Ausnahme werden: Die Erwartungen sind groß – der Druck auf den Hersteller ebenfalls. Und was sind nun die Neuheiten 2012? Welche Richtung schlägt Panerai ein?
In der Vergangenheit wurden ja durchaus schon Entscheidungen getroffen, die nicht unbedingt zu Lustschreien geführt haben. Zu viel Schnickschnack, zu weit weg von der eigenen “DNS”. Doch wollen wir das als Teil einer Lernkurve entschuldigen.
Und Panerai hat viel gelernt. Man hat verstanden, auf den Markt und die Fans von Panerai zu hören. So gehört Panerai zu den wenigen Marken, die durchaus die Wünsche und Vorstellungen der anspruchsvollen Kundenschaft berücksichtigt. Man hat sich zudem intensiv mit den historischen Produkten beschäftigt, um einen Weg zu finden, deren besondere Reize mit modernen Fertigungsmöglichkeiten und höchstem Qualitätsanspruch zu verbinden. Und genau das konnte man nach 2011 auch auf der diesjährigen SIHH wieder spüren – und sehen.
2012 wird fortgesetzt, was im Vorjahr mit dem Model PAM 372 (Luminor 350 3 Tage) in besonderem Maße angefangen hat. Man bedient sich aus der eigenen Geschichte und baut moderne Replikas eigener Modelle mit zeitgemäßer Technik. Und das Rezept geht auf – die Fans sind begeistert.
Gleichzeitig bereinigt man das aber auch Programm und lässt einige ältere Modelle verschwinden – nicht mehr produziert werden:
Mehr und mehr verschwinden somit auch die Fremdkaliber, meist von Eta, aus den Produktregalen und die eigenentwickelten Uhrwerke werden in den meisten Modellen verbaut.
Strukturell neu ist auch die Art, wie Special Editions und Standard-Uhren vertrieben werden. Hier spielen die Panerai-eigenen Boutiquen eine besondere Rolle. Zwar gab es bereits in der Vergangenheit spezielle Boutique-Editionen, aber man merkt doch, wie hier deutlich Land gewonnen werden soll.
Vermehrt werden interessante Modelle in das Programm genommen, die ausschließlich über Panerai Boutiquen bezogen werden können. Dies Läden werden nicht von freien Juwelieren betrieben, sondern sind Eigentum der Marke selbst und somit der direkte Arm von Richemont zum Endkunden.
Andere Special Editions können auch weiterhin über die Konzessionäre gekauft werden. Die Serien-Uhren kauft man gleichermaßen in einer Boutique oder bei den Vertrags-Juwelieren. Es bleibt abzuwarten, wie die Juweliere mit dieser Situation umgehen. Der Verkauf der ersten PAM372 in den letzten Wochen wurde ausschließlich über Boutiquen organisiert – Konzessionäre (und deren Kunden und Vorbesteller) gingen dort erst mal leer aus.
Die Neuheiten
Die Novitäten lassen sich in drei grundsätzliche Lager splitten: “Back to the roots”, “Gold” und “Keramik”. Damit ist im Grunde schon alles gesagt, aber natürlich lohnt der Blick in die Details.
Bei den Keramik-Modellen gibt es zusätzlich zu den bereits vorhandenen Pannies:
Die neuen Modell in Gold:
Und die Modelle mit historischen Wurzeln:
Die Reaktion auf die neuen Modelle sind durch die Bank positiv. Natürlich liegt der Fokus klar auf den historischen Modellen, aber auch die neuen Keramik-Varianten haben ein enormes Potential bei den Fans schwarzer Uhren, die gerne auf die Kratzempfindlichkeit von PVD und DLC verzichten möchten.
Nicht nur für mich ist die Panerai PAM 399 ( Radiomir 1940 ) ein Highlight der Messe. Da nur 100 Stück dieses wunderschönen Modells mit Minerva-Kaliber gebaut werden, braucht es ein gutes Stück Glück, eine dieser Uhren tatsächlich in Besitz nehmen zu dürfen. Nur eine Handvoll wird in Deutschland ausgeliefert.
Ähnlich ist es mit der PAM449 Radiomir S.L.C. Diese Radiomir als Boutique-Edition in einer 500er Auflage hat die historisch korrekten gebläuten Zeiger und ist damit eine Spur interessanter als die Variante mit Goldzeigern. Immerhin sind hier die Chancen auf einen erfolgreichen Kauf durch die 5 mal größere Auflage im Vergleich zur PAM399 deutlich höher.
Kleine Kritik
Neben all den positiven Meldungen gibt es aber auch einen kleinen Schatten. Das neue Sondermodell 448 (California Dial SE) wird so manchen Panerai-Sammler brüskieren, der sich vor Jahren die Special Edition PAM249 gekauf und oft weit mehr als den ursprünglichen Listenpreis investiert hat. Die neue SE ist das gespuckte Ebenbild, in einer kleineren und damit interessanteren Auflage. Dazu kommt ein Manufaktur-Kaliber – dies wird den die Wertentwicklung der PAM249 nicht wirklich fördern.
Lässt man diesen Gedanken außen vor, muss man aber eingestehen, wie wunderschön auch dieses Modell geworden ist. Die PAM448 wird ebenfalls ausschließlich als Boutique-Edition angeboten.
Keramik
Über die neuen historischen Modelle und die Special Editions wird viel gesprochen – dabei werden die neuen Keramik-Modelle fast vergessen. Und das, obwohl ihnen Panerai ein eigenes kleines Separée geschenkt hat, in denen auf der Messe die verschiedenen Fertigungsstufen bei der Gehäuse-Herstellung veranschaulicht werden.
Besonders interessant ist die “Tuttonero“, bei der sogar das Gliederarmband aus Keramik gefertigt wurde. Komplett in mattem schwarz mit Sandwich-Zifferblatt und einer Leuchtmasse in passendem Vintage-Farbton gealterten Tritiums. Eine wahre Augenweide.
Ein weiteres interessantes Objekt der Begierde lauert ebenfalls in dem kleinen verdunkelten Nebenraum, in dem die Keramik-Modelle präsent werden – eine Taschenuhr. Basierend auf dem Kaliber, das in der Special Edition PAM365 Lo scienziato Radiomir Tourbillon GMT aus dem Jahr 2010 verbaut wurde, hat man eine interessante und moderne Taschenuhr entwickelt. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine aktuelle Edition, sondern mehr um den Versuch der Sondierung, wie ein solches Produkt vom Messepublikum aufgenommen wird. Ein reiner Prototyp also.
Stimmung bei Panerai
Auffällig ist die gute Stimmung und der weiterhin optimistische Blick nach Vorne, den man überall im Panerai-Lager spüren kann. So wundern die Worte von Herrn Marcel Rössner, Geschäftsführer von Panerai Deutschland, nicht wirklich: “Ich freue mich jeden Tag, bei Panerai arbeiten zu dürfen.“. Und genau das merkt man auch den Uhren an – ein voller Erfolg!
Natürlich beginnt jetzt wieder die Phase des ungeduldigen Wartens. Same procedure as last year. Bis die neuen Modelle tatsächlich ihren Weg zum Endkunden finden, werden sicher noch einige Monate ins Land gehen. So manche Uhr wird wohl erst gegen Weihnachten auf dem Markt erscheinen. Aber Vorfreude soll ja die schönste Freude sein
Mehr Fotos und Informationen zur SIHH 2012
Watchlounge@SIHH 2012: Jaeger-LeCoultre